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| (Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2006) | |||
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Auf der trockenen Vorhügelzone der Haardt, die schon vor dem Jahre 500,
also in römischer Zeit besiedelt war, wurde in der Zeit der Völkerwanderung
durch den Franken Theodin das spätere Niederkirchen, damals Didinnes-
chaime (vermutlich Heim des Theodin, geschichtlich jedoch nicht belegt),
gegründet.
Am 1. Juni 699 wurde der Ort erstmals
urkundlich erwähnt. Und zwar in einem
Testament, das der Edle Erimbertus
hier beurkunden ließ und in dem er
dem Kloster Weißenburg Länder und
Güter im Gegenwert von acht Pfund
Gold und acht Pfund Silber vererbte. Im
Jahre 700 ist hier der Weinbau durch
eine Urkunde an das Kloster Fulda
belegt. Im 11. Jahrhundert gelangte
das Dorf, in dem sich während der
Karolingerzeit ein Königshof befand, in
den Besitz der Bischöfe von Speyer.
Dass der Ort im Mittelalter große Be-
deutung hatte, geht aus dem um 1060 errichteten Kirchenbau hervor, den noch
heute der weithin sichtbare, mächtige Vierungsturm überragt. Der unbefestigte
Ort hat im Laufe seiner Geschichte viele Zerstörungen und Verwüstungen
erlebt (1250, 1460, 1525, 1618-1648 und 1794-1795). Im 30-jährigen Krieg war
das Dorf fast völlig zerstört und seine Einwohner umgebracht. Niederkirchen
und das im 13. Jahrhundert gegründete spätere Deidesheim waren bis 1819
eine Gemeinde, die zur Unterscheidung Ober- bzw. Unterdeidesheim, später
Deidesheim und Niederkirchen genannt wurden. Seit 1972 bilden die Ge-
meinden Niederkirchen (heute etwas mehr als 2000 Einwohner), Deidesheim, Forst, Meckenheim und Ruppertsberg eine
Verbandsgemeinde.
Heute wird das Ortsbild von alten und neuen Winzeranwesen mitbestimmt. Ein Blick in die Höfe, durch typisch pfälzische Torbögen, lohnt sich meist für den Besucher: Viele romantische Winkel sind zu entdecken, behagliche Frem- denzimmer laden die Touristen ein und Gastlichkeit wird in den zahlreichen Weinstuben großgeschrieben. Das Fest um den Wein lockt im Monat Juni. Der Winzerverein, am westlichen Ortseingang neu errichtet, weist auf die lange genossenschaftliche Tradition des Ortes hin. Seine Mitglieder bewirt- schaften mit 440 Hektar fast das vierfache der Rebfläche der örtlichen Ge- markung (ca. 120 Hektar). Die besten Weinlagen der Pfalz werden hier bear- beitet. Gerne getrunken werden auch die feinen Obstbrände aus den zahl- reichen Brennereien Niederkirchens. Sportlich machte der Ort auf sich aufmerksam, als die Fußballdamen des TuS Niederkirchen 1993 Deutsche Meisterinnen wurden. (Text: kl , wn) |
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(Text: ws) |
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Um das Jahr 1100 gelangte Niederkirchen durch Schenkung von Bischof
Johannes I. zum Hochstift Speyer (Hochstift, reichsunmittelbarer Territori-
albesitz eines Bischofs). Besitz in Niederkirchen hatten aber auch das St.-
Guido-Stift und die Klöster Weißenburg, Lorsch und Fulda. In Niederkirchen
selbst gab es nur ein Klostergut (daher resultiert wohl auch der Straßenname
'Klostergasse'). Zehntherren waren das Hochstift Speyer und das St.-Guido-
Stift. Niederkirchen blieb bis 1794/96 - als die Pfalz französisch wurde (Frz.
Revolutionskrieg bzw. 1. Koalitionskrieg) - im Besitz des Hochstifts. Von da an
war Niederkirchen französisches Departement bis 1814.
(Text: ws) |
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Im Mittelalter waren alle Ritter gleichförmig gerüstet, d. h. ihre Rüstungen glich-
en sich. Zur Unterscheidung, z. B. im Kampf oder Turnier, wurde seit Beginn
des 12. Jahrhunderts auf dem Schild des Ritters ein farbiges Abzeichen oder
Schildzeichen angebracht.
Im 13./14. Jahrhundert wurde das Schildzeichen oder Wappen mit dem Nie- dergang des Rittertums allmählich zum Symbol von Adels- und Bürgerfamilien aber auch von Klerikern, Bistümern, Abteien, Städten und später auch von Dörfern. Bei Städten und Dörfern diente oftmals das Amts- oder Gerichts- siegel als Grundlage für das Wappen. Das für Niederkirchen vorhandene Gerichtssiegel wurde bei der Gestaltung des Niederkirchener Wappens im Jahre 1845 nicht herangezogen. Ohne sich auf dieses zurückzubesinnen, hat man einfach das Deidesheimer Wappen farblich und durch seitlichen Tausch der Sterne abgeändert.
(Text: ws ; Quelle: Das große Wappenbuch der Pfalz, Dr. K.-H. Debus) |
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Die Pfarrkirche St. Martinus wurde im 8.
oder 9. Jahrhundert gegründet, jedoch
blieb durch die spätere Bautätigkeit von
der Urform nichts mehr erhalten.
Die Kirche zeigt mehrere Baustile. Die äl- testen Teile sind der mächtige Vierungs- turm, der ganz aus kleinen Bruchsteinen erbaut ist und eine Höhe von 27 Metern er- reicht. Er ruht auf vier Säulen mit einer Grundfläche von je einem Quadratmeter. Diese sind mit vier romanischen Bögen aus schönem gelb-rotem Großmauerwerk verbunden, die die Vierung bilden. Die beiden Querhausarme stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Der Bau dieser wird auf 1060 bis 1080 datiert und fällt somit in die gleiche Zeit wie der Bau des Domes zu Speyer und der Limburg. Da St. Martinus in einer Luftlinie zwischen diesen Bauwerken liegt, ist es wahrscheinlich, daß die Bauhütten dieser beiden Baustellen auch beim Bau der beiden Querhausarme tätig waren. Um etwa 1300 musste dann die romanische Apsis dem hochgotischen Tor weichen, wobei auch die alte Sakristei mit dem Sakramentshäuschen errichtet wurde. Bei dieser Baumaßnahme wurden auch die Vierung und das Querhaus eingewölbt. Im Jahre 1955 wurde dann mit der letzten großen Umbaumaßnahme begon- nen; denn die Kirche war zu klein geworden. Dabei stellte man fest, dass das alte Kirchenschiff aus zwei Bauabschnitten bestand. Das ältere war 12 Me- ter lang; das
jüngere maß 22,4 Meter. Der Neubau des Kirchenschiffes ist, wie
man feststellen kann, trotz der Moderne
der damaligen Betonbauweise eine doch
recht gut gelungene Anpassung an die
historische Bausubstanz. Der klare Ein-
druck, den der Kirchenraum von Westen
gesehen auf den Betrachter macht, wurde
aber erst dadurch möglich, daß der Hoch-
altar, der bis dahin im Chor stand, verkauft
wurde. Der anfänglich schmerzhafte Ver-
lust des schönen Stückes brachte der
Gemeinde aber eine schöne helle Kirche,
bei der weder Schnörkel noch unnötiger
Zierrat die Gedanken der Gläubigen ab-
lenken.
Die oberen, in modernem Stil gehaltenen Fenster zeigen Symbole der sieben Sa- kramente: Im Süden (von Ost nach West) Eucharistie, Taufe, Letzte Ölung und Ehe. Im Norden (von Ost nach West) Priester- weihe, Firmung und Buße. Die beiden oberen westlichen Fenster zeigen Mariensymbole der lauretanischen Litanei sowie Engel und die Wappen von Niederkirchen und Deidesheim. Die un- teren Fenster wurden durch die Familie Hans Maurer, Speyer, nach einem Vorschlag von Alois Johannes Plum, Mainz, ausgeführt. Die Orgel ist ein Werk von Paul Zimnol, Kaiserslautern, aus dem Jahr 1964. Ambo und Taberna- kelstele wurden von Günter Zeuner 1983 geschaffen. Der Altartisch stammt von Raimund_Weisbrodt, Niederkirchen. Die Heiligenfiguren wurden nach der Verwüstung durch das französische Revolutionsheer vom Paulusstift in Worms 1806 übernommen. Es sind dies der heilige Josef, die heilige Bar- bara, der heilige Wendelin, der heilige Sebastian, der gute Hirte, die heilige Anna Selbtritt Immakulata und die Pietá aus dem 15. Jahrhundert. Der heilige Wendelin war ursprünglich der heilige Raphael einer Tobiasgruppe, dem man die Flügel abnahm und eine Hirtenschaufel in die Hand gab. Der heilige Pantaleon wurde 1890 von Gragolier aus Gröden geschnitzt. Der heilige Martin ist ein Werk von Siegfried Salewski, Niederkirchen, von 1983. Das Altarkreuz wurde 1983 von der 'Katholischen Frauengemeinschaft Nieder- kirchen' (kfd) gestiftet und stammt von einem südtiroler Herrgottsschnitzer. Der Kreuzweg stammt von Mathias Berger, München, und zeigt die wesentlichen Aussagen der 14 Stationen. Die Eingangstüren wurden vom Kunstschlosser Emil Forler, Landau, nach Vorlagen von Oberbaudirektor Dr. K. Lochner ge- fertigt und zeigen Motive wie Sonne, Regen, Haardt, Wingerte, Hahn sowie betende Hände (Wachet und betet!). Die Türdrücker zeigen die Form von Winzermessern. 1999 wurde die Glockenanlage restauriert. Der Glockenstuhl, der aus Ei- che besteht und aus dem Jahr 1525 stammt, war durch sein Alter und durch Witterungseinflüsse so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, daß er in Schieflage geriet und unter diesen Umständen leider nicht mehr sicher war. Bei dieser Gelegenheit wurde die gesamte Glockenstube den neuesten Er- kenntnissen gemäß ausgestattet, damit das Geläut und der Stundenschlag gut zu hören sind und dieser Bauteil vorläufig gesichert war. Im Glockenstuhl hängen vier Glocken: die Pantaleons-Glocke (Gewicht: 260 kg) von 1843, die Martinus-Glocke (Gewicht: 470 kg) und die Dreifaltigkeits-Glocke (Gewicht: 885 kg), beide aus dem Jahr 1949, sowie die Marien-Glocke (Gewicht: 190 kg) von 1950. (Text: kl) |
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